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St. Vitus war Mittelpunkt seines Lebens
Mesner Wendelin Thum nach 54 Jahren verabschiedet
Wendelin Thum wurde am 7. August 1919 in Heidelberg-Handschuhsheim geboren, ganz in der Nähe der St. Vitus-Kirche, der ältesten Kirche Heidelbergs und seiner Umgebung. Heute, mit fast 86 Jahren, von denen er fast zwei Drittel als "Kirchendiener" in dieser Kirche tätig war, stellt er fest, dass sie "immer der Mittelpunkt meines Lebens" gewesen ist.
Es begann damit, dass er schon als Kind in der Kirche, die früh einen prägenden Einfluss auf sein Leben hatte, die Glocken läuten durfte, damals noch ein körperlicher Kraftakt, denn das Geläut wurde noch nicht elektrisch betätigt. Aber das "Rumhopsen am Glockenseil" machte ihm Freude, genau wie die vielen Aufgaben später, die er als Mesner in St. Vitus über ein halbes Jahrhundert meisterlich erfüllte. Der Tagesablauf begann damit, früh um sechs Uhr die Glocken zu läuten - "den Pfarrer zu wecken" -, erzählte er in einem Gespräch mit "Kirche auf dem Weg", zu dem sich auch drei seiner Ministranten aus der Anfangszeit eingefunden hatten. Danach hieß es, die Gottesdienste vorzubereiten. Früher gab es sonntags noch vier davon, außerdem die Andacht und die Vesper und auch an jedem Werktag wurde Eucharistie gefeiert. Die Ministranten mussten eingeteilt, die Gewänder bereitgelegt und alle notwendigen Utensilien an ihren Platz gebracht werden. Die Kirchenreinigung fiel in seinen Aufgabenbereich und auch die Pflege der Außenanlagen, für die er ein besonderes "Händchen" hatte. So erregte die Blütenpracht seiner selbst gezüchteten Oleanderbäume stets allgemeine Aufmerksamkeit (sein Geheimnis: "Ich habe sie mit Weihwasser gegossen!"). Er war "Vorbeter" (heute Lektor), diente bei Bedarf als Ersatzministrant, engagierte sich im Pfarrgemeinderat und sang im Kirchenchor. Bei all seinen Aufgaben stand ihm seine vor sieben Jahren gestorbene Frau immer zur Seite, so dass sich eines seiner vier Kinder später erinnern konnte, "das Wohnzimmer meiner Eltern war der Kirchenraum".
Drei Pfarrer erlebte Wendelin Thum in seiner Amtszeit. Franz Rudolf stellte ihn 1951 nach dem Krieg ein, der ihn nach Frankreich, Russland und schließlich nach Reims in amerikanische Gefangenschaft geführt hatte. Dann folgte Walter Berthold und danach Alwin Schneider, der die Pfarrei St. Vitus seit 24 Jahren leitet. Zwei Kirchenrenovationen, die liturgischen Änderungen des Konzils, die auch neue Baumaßnahmen im Kirchenraum erforderten ("aber de Kirsch is stehe gebliwwe"), waren Meilensteine auf seinem Weg als Mesner von St. Vitus.
"Kein Feschtl oder was auch immer, ohne den Wendel", erinnerten sich liebevoll die früheren Ministranten, er habe alles in den Beruf gesteckt, nie habe er Urlaub genommen oder sei krank gewesen. "Für uns kam er gleich nach dem Pfarrer", und viele seiner jugendlichen Schützlinge hätten sich beim ihm Rat geholt, wenn sie Probleme hatten.
Von seinem Gehalt als Mesner ("es war auch viel ‚Vergelts Gott' dabei") konnte Wendelin Thum eine sechsköpfige Familie nicht ernähren, deshalb arbeitete er in der elterlichen Schreinerei weiter, die jetzt sein Sohn Georg übernommen hat. Zu seinen Hobbies gehört die Winzerei und bis heute baut er in einem Weinberg am Steinberg einen Oberliner an, den er im eigenen Weinkeller keltert und auf den er stolz ist.
Wendelin Thum, der Mesner von St. Vitus, der zu seinem 50jährigen Dienstjubiläum die Ehrenurkunde und die Goldene Ehrennadel des Mesnerverbandes erhielt, ist ein Stück lebendiger Geschichte Heidelbergs und "ein Hendessemer Original". Wenn er auf seinem Fahrrad, mit dem Hut auf dem Kopf und der geliebten Zigarre im Mund (die nur ein einziges Tabakgeschäft in Heidelberg immer für ihn bezieht), seine tägliche Runde durch die Ortschaft fährt, ist er für die Handschuhsheimer, wie es seine früheren Ministranten bezeichnen, so etwas wie "ein Stück Heimat".
Wendelin Thum (2.l.) mit früheren Ministranten: v.l. Josef Heck, Alfred Jakob und Theodor Gauss
Der beliebte Mesner wurde im Januar von der Gemeinde verabschiedet.
(mb)
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