Pfingsten
Hierher, Atem, zünd mich an

Hierher, Atem, zünd mich an,
schick aus deiner fernsten Ferne
Wellen Lichts.

Komm Armeleutevater
komm oberster Mundschenk
komm Herzensjäger.

Bester Tränentrockner
lieber Seelengast
mein Freund, mein Schatten.

Einmal ausruhen
für Grübler und Geschundene,
du, Atempause den Verkrampften.

Unerträglich schönes Licht
überschütte den Abgrund
meines Herzens, du Vertrauter.

Gott bist du und ohne dich
ist alles Nacht und Nebel,
Qual und Schuld,

du aber machst rein.
Meine Blüte welkt - gib Wasser,
salbe meine Wunden.

Steif steh ich da, Eintritt verboten,
gefroren. Tau mich sorgsam auf.
Such mich Verirrten.

Ja sag ich dir, nein tu ich dir.
Vergilt den Zweifel mit Freundschaft
siebenmal tausendmal.

Nichts bin ich ohne dich.
Tot will ich zu dir hin.
Und ich werde lachen.


Pfingstgeschehen, Auszug aus dem Tabernakelrelief der ehemaligen Heiliggeist-Chorkirche, Heidelberg, von Johann Paul Egell
Das "Veni Creator Spiritus", frei übersetzt.
Aus: Huub Oosterhuis, Du bist der Atem und die Glut. Gesammelte Meditationen und Gebete.